Ein Plan fliegt plötzlich alleine nach Madrid

Eigentlich war die Sache klar: Katharina Hering und Lena Plümer fahren gemeinsam nach Madrid. Zwei der besten deutschen Padelspielerinnen, ein paar Wochen Training auf professionellem Niveau und eine kleine Filmcrew, die sie dabei begleitet. Nicht, um hinterher aus den schönsten Bildern eine Heldengeschichte zu schneiden, sondern um eine ziemlich einfache Frage zu beantworten, auf die es erstaunlich viele komplizierte Antworten gibt: Was braucht es eigentlich, um wirklich besser zu werden?

Madrid schien dafür ein geeigneter Ort. Schließlich wird Padel dort nicht nur auf einem anderen Niveau gespielt, sondern mit einer Selbstverständlichkeit, die man hierzulande erst noch entwickelt. Die Ballwechsel sind schneller, das Training intensiver, der Druck höher. Wer in Deutschland ziemlich gut ist, kann dort innerhalb weniger Trainingseinheiten feststellen, dass „ziemlich gut“ eine ausgesprochen dehnbare Maßeinheit ist. Dann verletzte sich Lena bei einem Turnier. Und aus einem gemeinsamen Flug wurden plötzlich ein Ticket und viele offene Fragen.

Katha ist inzwischen allein nach Madrid gereist. Lena arbeitet daran, wieder fit zu werden. Ob das klappt, wissen wir nicht. Was wir allerdings wissen: Unsere ursprünglich geplante Dokumentation hat damit schneller eine neue Dramaturgie bekommen, als wir sie hätten schreiben können. Vielleicht ist das sogar ganz passend. Denn Entwicklung verläuft schließlich selten so ordentlich, wie sie hinterher erzählt wird. Wer Sportdokumentationen kennt, kennt auch ihre bevorzugte Mathematik: Rückschlag plus harte Arbeit ergibt Erfolg, dazu ein bisschen Musik, Zeitlupe und am Ende möglichst etwas Silbernes zum Hochhalten. Nur funktioniert Leistungssport im echten Leben leider weniger zuverlässig nach Drehbuch.

Mit „Vamos KathaLena“ produzieren wir gerade unsere erste Social-First-Dokureihe rund um Katharina Hering und Lena Plümer. Die Idee dahinter war zunächst ziemlich geradlinig: Zwei der besten deutschen Padelspielerinnen gehen nach Madrid, trainieren dort auf professionellem Niveau und finden heraus, was passiert, wenn deutsches Spitzenniveau auf spanischen Padel-Alltag trifft. Wir begleiten sie dabei.

Wir erzählen nicht erst, was passiert ist, wenn längst feststeht, wie die Geschichte ausgegangen ist. Wir wollen dabei sein, während sie passiert. Wenn Katha in Madrid zum ersten Mal merkt, was internationales Tempo tatsächlich bedeutet. Wenn ein neuer Schlag plötzlich funktioniert und der nächste überhaupt nicht. Wenn aus Selbstbewusstsein ein Reality Check wird, aus Frust vielleicht Erkenntnis und aus dem Gedanken „Das kann ich“ zunächst ein etwas kleineres „Das muss ich wohl noch lernen“.

Unsere Kamera bleibt nicht nur drauf, wenn es gut aussieht. Sie bleibt auch dann an, wenn das Training in den Beinen steckt, die Konzentration nachlässt und der zwanzigste Ball noch immer nicht dort landet, wo er verdammt noch mal hin soll. Wir filmen die schnellen Ballwechsel und die langsamen Erkenntnisse. Genau dazwischen liegt vermutlich das, was man Entwicklung nennt.

Und während in Madrid Bälle gegen Glas fliegen, läuft einige Kilometer weiter nördlich eine zweite Geschichte weiter. Lena versucht zurückzukommen. Ob sie rechtzeitig fit wird und aus dem ungeplanten Solo wieder das ursprünglich geplante Doppel machen kann, ist offen. Einen Cliffhanger hätten wir uns für die Serie also ausdenken können. Die Realität war nur schneller.

Vielleicht kommt Katha aus Spanien zurück und spielt besser. Vielleicht kommt sie zurück und weiß vor allem sehr viel genauer, wie groß der Abstand zum internationalen Niveau tatsächlich ist. Wahrscheinlich wird beides stimmen. Denn besser zu werden bedeutet manchmal weniger, plötzlich alles zu können, als ziemlich genau zu verstehen, was man noch nicht kann.

Davon soll „Vamos KathaLena“ erzählen: nicht vom fertigen Erfolg, sondern von dem ziemlich anstrengenden Stück davor. Vom Gewinnen und Lernen, von Selbstbewusstsein und Realität, von Deutschland und Spanien und von zwei Spielerinnen, deren gemeinsamer Weg gerade ganz anders verläuft als geplant.

 

Die Social-First-Dokureihe entsteht aktuell mit einer kleinen Crew in Madrid, gemeinsam mit unseren Partnern HanseMerkur und natural elements.